Als Deutscher in Holland

Deutsche Arbeitnehmer werden wegen ihrer guten Ausbildung und Fachkenntnissen sehr geschätzt. Die Zusammenarbeit ist kollegial geprägt, ohne dass es an gegenseitigem Respekt mangelt. Seit vielen Jahren arbeiten Deutsche in den Niederlanden, wodurch eine steige Gewöhnung aneinander stattfand. Doch gibt es weiterhin Unterschiede in der Mentalität, deren Kenntnis einem die Tätigkeit in Holland erleichtert.

Das Arbeitstempo ist in den Niederlanden ein ganzes Stück niedriger, als Sie es aus Deutschland gewöhnt sind. Passen Sie sich einfach dem Tempo Ihrer holländischen Kollegen an. Es ist kontraproduktiv beweisen zu wollen, wie man ackern kann. Leistung und Qualität ist natürlich gefordert. Hier werden Sie Anerkennung erfahren. 

Auf den Baustellen wird grundsätzlich jeder geduzt. Einerseits wegen der holländischen Lockerheit, andererseits ist das "Je" eher als englisches "You" zu verstehen. Eine Hierarchie ist meist schwer festzustellen, auch Praktikanten werden gleichwertig behandelt, ohne dass jemand den Chef 'raus hängen lässt.

Am Arbeitsplatz

Sehr hoch sind die Regelungen hinsichtlich der Sicherheit auf den Baustellen und im Umgang mit Gerätschaften. Sie werden mündlich und schriftlich (in deutscher Sprache) detailliert eingewiesen. Bringen Sie den nötigen Ernst dabei auf und fragen lieber einmal mehr. 

Oft wird ein gültiges VCA-/SCC-Zertifikat verlangt. Auch für Bereiche, die in Deutschland als selbstverständlich angesehen werden. Richten Sie sich darauf ein über kurz oder lang eine Prüfung ablegen zu müssen. Aber keine Angst, alles ist in deutscher Sprache und leicht zu bestehen. Die Kosten werden natürlich vom Arbeitgeber übernommen. Das Zertifikat behalten Sie auch für Ihre weiteren beruflichen Wege.  

Anforderungen

Fachlich reichen Ihre spezifischen Ausbildungen und Erfahrungen. Die Techniken und Materialien sind gleich wie in Deutschland, wenn auch manchmal anders benannt. Der Unterschied kann in verschiedenen Herangehens- und Arbeitsweisen liegen. Sicher nicht gravierend, aber Neuem sollte man offen gegenüber stehen und auch umsetzen. 

Sprache

Am Arbeitsplatz und mit dem Arbeitgeber können Sie problemlos in deutsch kommunizieren. Darauf sind ihre holländischen Kollegen eingestellt. Niederländisch ist einfach zu lernen, weil es sich nicht stark vom Deutschen abgrenzt. Wie in jedem Land wird es gern gesehen, Begrüßungen und z.B. Bitte und Danke in der Landessprache zu sagen. Nicht zwingend notwendig, doch aus Höflichkeit gerne gesehen. Englisch ist als Umgangssprache auch etabliert.  

Umgang mit Kollegen

Arbeitskollegen duzen sich grundsätzlich. Für einen Niederländer ist es unbegreiflich, dass Deutsche, auch wenn sie dreißig Jahre lang im gleichen Büro sitzen, „Herr Schmidt“ und „Frau Meier“ zueinander sagen.

Nun ist das Duzen auch eine Frage der Branche, des Betriebsklimas und des Alters. Doch das niederländische „je“ oder betont „jij“ (ausgesprochen: jäi) ist nicht das gleiche wie das deutsche „Du“. Man kann es eher mit dem englischen „you“ vergleichen. Das heißt, wenn man sich in den Niederlanden duzt, heißt das noch lange nicht, dass man befreundet ist oder der andere einen besonders sympathisch findet. Es ist einfach
die gebräuchliche Anredeform.

Im alltäglichen Umgang verstehen viele Niederländer jedoch nicht, dass das deutsche „Sie“ nicht distanziert oder abweisend gemeint ist, sondern als Ausdruck des Respekts vor dem andern. Man interpretiert es eher als Zeichen von Steifheit und ausgeprägtem Hierarchiebewusstsein.

Bewerben

Wichtig ist ein tabellarischer Lebenslauf mit Angabe Ihrer Tätigkeiten und Arbeitgeber. Dazu gehören auch das Facharbeiterzeugnis und berufsrelevante Fortbildungen oder Zertifikate. Ein Foto und Zeugnisse können, aber müssen nicht sein.

Senden Sie Ihre Unterlagen einfach per Post, Fax oder E-Mail.
Gerne sprechen wir vorher mit Ihnen und klären alles.

Mentalität

Deutsche finden Niederländer oft locker und unkompliziert, aber das heißt nicht, dass hier alles erlaubt ist. Beachten Sie die ungeschriebenen Regeln. So kann ein Mitarbeiter zwar seinen Chef duzen, aber nicht wegen jeder Belanglosigkeit in sein Büro laufen oder lockere Bemerkungen über dessen Privatleben machen. Auch das Maß an Mitbestimmung bleibt letztendlich Sache des Vorgesetzten. Deutsche verstehen die niederländische „Lockerheit“ oft falsch, denn die Grenzen sind schwer zu erkennen. Denken Sie immer an den gegenseitigen Respekt, dann fällt das Miteinander leicht.  

Umgang mit Vorgesetzten

Ein deutscher Chef wird ausdrücklich betonen, wie wichtig die Aufgabe oder Auftrag ist; dass die Erfüllung sofort erfolgen soll. In den Niederlanden werden Sie oft eine freundliche Frage oder Bitte hören. "Es wäre schön, es wäre gut wenn du/ wir dies machen könnten ...." so beginnt oft die freundliche Formulierung des Auftrages. Die Entscheidung liegt aber nicht bei Ihnen, sondern wurde damit geäußert. Bei Unklarheiten fragen Sie direkt, dann wird die Zufriedenheit auf beiden Seiten garantiert.    

Den persönlichen Kontakt und die Umgangsweise werden Sie sofort schätzen lernen. Jeder spricht mit mit jedem, unabhängig von bestehenden Hierarchien. Wenn Sie sich selbst in einer führenden Position befinden, wird diese übergreifende Kollegalität selbstverständlich auch von Ihnen erwartet. Ein Chef ist ein Kollege, der für andere Bereiche verantwortlich ist. Den Chef raushängen lassen, ist verpönt.